Worauf es als Anfänger wirklich ankommt

Anfänger

Als ich im Herbst 2017 die Entscheidung traf, einen fünfjährigen Vollblutaraber zu übernehmen, war ich das, was allgemein wohl als “blutiger Anfänger” bezeichnet wird. Mit Hunden und ihren wilden Verwandten kannte ich mich hervorragend aus, aber Pferde waren für mich absolutes Neuland.

Wie in den meisten Bereichen des Lebens, war auch dies etwas, wozu jeder eine eigene, andere, Meinung hatte. Einig waren sich die meisten (Pferde-)Menschen nur darin, dass (erst recht) ein junger Araber nichts für einen Anfänger sei. Zu den genaueren Umständen werde ich an anderer Stelle ausführlicher eingehen, denn die Vorgeschichte des Pferdes spielte eine entscheidende Rolle.

Rückendeckung erhielt ich insbesondere von dem Trainer, mit dem ich zuvor ein paar Bodenarbeits-Probeeinheiten absolvierte. Sein geschulter Blick war von der ersten Sekunde an davon überzeugt, dass die Chemie zwischen mir und meinem (zukünftigen) Pferd stimmt und dass ich die erforderliche Ruhe, Gelassenheit und Sicherheit mitbringe. Alles weitere bekämen wir durch regelmäßiges Training schon hin.

Der größte Fehler ist, nicht zu lernen!

Damit haben wir den wichtigsten Punkt erreicht: Training = lernen. Wenn wir etwas neues beginnen, sind wir darin Anfänger. Das ist normal und überhaupt nicht schlimm. Wichtig ist, dass wir stets bereit sind, hinzuzulernen.

Neben der Bodenarbeit mit einem Trainer, deckte ich mich mit Fachbüchern ein, durchwühlte das Internet, las Blogs und Fachzeitschriften. Wie ein Schwamm, wollte ich alle verfügbaren Informationen aufsaugen und mich in die Lage versetzen, meinem Pferd gerecht zu werden.

Wir tragen die Verantwortung für ein fühlendes Wesen!

Mein Pferd ist ein lebendes, fühlendes Wesen, das all meine Fehler zu spüren bekommt und im schlechtesten Fall echte Angst und echte Schmerzen erleidet. Es kann nicht selbst aus unterschiedlichen Optionen wählen und ist darauf angewiesen, dass ich die richtigen Entscheidungen treffe.

Entscheidungen, die zum Wohle meines Pferdes erfolgen. Um dazu in der Lage zu sein, musste und muss ich weiterhin vieles lernen. Die Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen ist mit der Verpflichtung verbunden, einen stetigen Lernprozess einzugehen.

Viele Wege führen nach Rom – doch welcher ist der richtige?

Zugegeben, es ist nicht immer einfach, herauszufinden, was richtig ist und was nicht. Jeder hat eine andere Meinung, folgt den Prinzipien anderer Fachleute, die untereinander ebenfalls gegensätzliche Ansichten vertreten. Mittendrin stand ich, als Neuling, und musste erstmal lernen, überhaupt die Sprache meines Pferdes zu lesen. Was in der Theorie klar und deutlich erscheint, kann in der Praxis viel subtiler erfolgen und erfordert eine Menge Aufmerksamkeit.

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass es “den” richtigen Weg nicht gibt. Wichtig ist mir, immer das Wohlergehen meines Pferdes an die oberste Stelle zu setzen. Bei dieser Betrachtungsweise fallen für mich alle Methoden, die genau dies Missachten, pauschal raus: Grundsätzlich also alle Varianten körperlicher oder psychischer Gewalt.

Richtig ist, womit Mensch und Pferd gut zurechtkommen.

Übrig bleiben alle Wege, die einen pferdefreundlichen Umgang fördern. Unter diesen Möglichkeiten können wir schließlich über ausprobieren herauszufinden, womit Mensch, Pferd und das Mensch-Pferd-Team am besten zurechtkommen.

Es geht also darum, möglichst viel an Informationen zu sammeln, diese zu bewerten und daraus einen Weg für dich und dein Pferd zu entwickeln. Das war auch für mich als Anfänger möglich. Sicherlich mit dem ein oder anderen Hindernis verbunden, denn es war nicht immer einfach, frisch erworbenes Wissen erfahrenen Pferdemenschen gegenüber zu vertreten, während ich es doch war, dem jegliche Erfahrung fehlte.

Mit der Sicherheit, dass ich mit gewaltfreien, pferdefreundlichen Methoden keinen Schaden anrichten kann, fällt es mir aber zunehmend leichter, den für uns richtigen Weg zu entdecken.

Sicher sein, dass es nicht schaden kann!

Gerade zu Beginn gab es wahnsinnig viel, das ich noch nicht wusste. Neben meinem Anspruch, Informationen zu sammeln und zu lernen, halte ich mich daher konsequent an die Regel, nichts zu tun (anzuwenden, zu verfüttern), was nicht zweifelsfrei unschädlich ist.

Die Regale in den Reitsportgeschäften sind prall gefüllt und bieten nahezu unbegrenzte Auswahl an Pflegemitteln, Futter und Zusätzen, Ausrüstungsgegenständen und mehr. Doch von alldem kam und kommt nichts in oder an mein Pferd, solange ich nicht weiß, was es ist und ob bzw. welchen Nutzen / Mehrwert es für mein Pferd hat.

Diese Grundregel gilt für mich in allen Bereichen des täglichen Pferdelebens. Ich käme selbst niemals auf die Idee, in den Wald zu gehen und wahllos irgendwelche Beeren und Pilze zu essen, ohne sicher zu sein, dass sie ungiftig sind. Somit darf selbstverständlich auch mein Pferd nicht irgendwo “grasen”, wenn ich nicht sicherstellen kann, dass es wirklich nur eine harmlose Wiese ist, um ein weiteres Beispiel zu nennen.

Nicht beirren lassen, lernen und im Sinne des Pferdes handeln.

Jedem Anfänger kann ich daher nur einen Satz ans Herz legen: Handle im Sinne deines Pferdes, lerne hinzu und lass dich nicht beirren. Solange du bereit bist, zu lernen, dich weiterzuentwickeln und pferdefreundlich zu handeln, steht dir und deinem Pferd eine schöne, gemeinsame Zukunft bevor.

 

 

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

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