Wozu ein weiterer Pferdeblog?

Blogs, die sich mit Pferden beschäftigen, gibt es wie Sand am Meer. Trotzdem habe ich mich dazu entschieden, ein weiteres Sandkorn zu erschaffen und dieses auf den endlos langen Strand zu werfen. Mein Ziel ist es, mich mit Themen zu beschäftigen, die für einen artgerechten, respektvollen, fairen oder einfach pferdefreundlichen Umgang mit diesen wundervollen Wesen stehen. Auch in diesem Bereich gibt es, zum Glück, schon viele gute, lesenswerte und lehrreiche bzw. zum nachdenken anregende Blogs. Doch wenn ich mich in den Pferdeställen in meiner Umgebung umschaue, frage ich mich häufig, wo sich die vielen Leser dieser tollen Blogs verstecken.

Dort sehe ich Pferde, die 20 Stunden des Tages in der Box verbringen. Pferde, die mit minderwertigen “Fast-Food”-Müslis vollgestopft werden. Pferde, die mit unterschiedlichsten “Hilfszügeln” malträtiert oder mit exzessiver “Hilfengebung” bearbeitet werden. Ich sehe unpassende Sättel, unpassende Gebisse. Pferde mit offensichtlichen Problemen, die angeblich bloß nur noch nicht wissen, was Reiter oder Trainer von ihnen wollen.

Und dann sehe ich mich, mit gerade einmal zwei Jahren Pferdeerfahrung noch ein Neuling in dieser beeindruckenden Welt. Manches Mal stelle ich meine Ansichten und Gefühle infrage. Hat der Trainer vielleicht doch Recht und die Ausbinder sind ein gutes Werkzeug in der Pferdeausbildung? Stimmt es, wenn mir die Stallnachbarin erzählt, ein “ganz normales” Müsli mit Getreide sei für die Zähne viel besser als das “Strukturzeug”, das ich verfüttere? Wer bin ich schon, als dass ich unerfahrener Pferdebesitzer das Wissen derer infrage stellen könnte, die schon seit Jahrzehnten mit Pferden arbeiten?

Zu meinem und insbesondere dem Glück meines Pferdes, kann ich auf fast 15 Jahre Hundehaltung zurückblicken. Auch in der Hundewelt war ich zu Beginn absoluter Anfänger, doch dann begann ich, mich zu informieren – in Internetforen, in Gesprächen mit unzähligen anderen Hundehaltern, über das Lesen vieler Fachbücher. Mir war (und ist) wichtig, zu wissen, wie dieses Lebewesen “tickt”, für das ich die Verantwortung übernommen habe. Denn nur so konnte ich in die Lage kommen, es auch richtig zu behandeln. Haltung, Ernährung, Erziehung – viele Punkte, die eine gewisse Kenntnis erfordern, um sie einigermaßen richtig zu machen und zumindest schonmal die größten Fehler zu vermeiden.

Lernen, lernen, lernen – und der Verwirrung trotzen

Bereits auf dem Weg zu tieferem Fachwissen über Hunde stieß ich immer wieder auf Widerstand und Hindernisse, auf verwirrende, weil voneinander stark abweichende Aussagen unterschiedlicher Fachleute. Und mit Fachleuten meine ich wirkliche Experten, wie Verhaltensforscher, angesehene Trainer und Tierärzte. Ich musste also einen eigenen Weg finden, oder genauer gesagt, die Dinge herausfiltern, die mir als logisch und hundefreundlich erschienen – oder die ich einfach mit meinem Gewissen vereinbaren konnte. Nachdem ich also wusste, dass beispielsweise das Hundefutter aus dem Supermarkt der minderwertigste Kram ist, den man kaufen kann, konnte ich diese Ansicht auch den langjährigen Hundehaltern und überzeugten Supermarkt-Futter-Fütterern gegenüber vertreten.

Mit anderen Worten und um aufs Pferd zurück zu kommen: Durch meinen Hund lernte ich, mich mit Hilfe unterschiedlichster Quellen zu informieren, mir alle möglichen Meinungen anzuhören, sie zu respektieren, jedoch ohne ihnen blind zu folgen, mir eine eigene Meinung zu bilden und diese letztendlich auch bei Gegenwind zu vertreten. Ich lernte, dass nicht alles, was “schon immer” so gemacht wird, gut (oder schlecht) sein muss – und dass dies genauso für moderne Methoden gilt. Dass es häufig sehr viele Wege (nicht nur einen!) gibt, die zum ähnlichen Ergebnis führen. Aber auch, dass das, was manche für das Ergebnis halten, für andere der traurige Beweis dafür sein kann, dass der Weg der falsche war. Dass es manchmal schon hilft, gewisse Dinge einfach mit etwas “gesundem Menschenverstand” zu betrachten.

Wer hat denn nun recht? Wer macht es richtig?

Eine Erfahrung, die für meinen Einstieg in die Pferdewelt Gold wert war. Denn bereits bei einfachen Dingen, wie dem bloßen Führen eines Pferdes am Halfter, gehen die Meinungen stark auseinander. Laufe ich links oder rechts vom Pferd? Auf Kopf-, Hals- oder Schulterhöhe? Oder laufe ich gar vor meinem Pferd? 5 Pferdemenschen gefragt – 5 Antworten erhalten, die jeweils die anderen 4 für völligen Quatsch halten. Geht es mehr ins “Detail”, wird es umso komplizierter und “emotionaler”. Schnell begegneten mir wieder die altbekannten “Glaubenskriege” aus der Hundewelt. Angefangen bei der Hufpflege. Die Regale an Hufpflegemitteln und passenden Nahrungsergänzungsmitteln sind groß und umfangreich gefüllt. Zu jedem dieser Produkte gibt es irgendwo einen Pferdemenschen, der darauf schwört – und von den anderen nichts hält. Selbst unter Hufschmieden erhält man von jedem einen vollkommen anderen Rat. Der eine empfiehlt Hufteer, der nächste hält es für gefährlich und empfiehlt stattdessen ein Spray, das wiederum der nächste für nutzlos und reine Geldmacherei hält, weshalb er nur Gel XY empfehlen kann.

Als Anfänger stand ich oft nach diversen Gesprächen noch ratloser im Stall, als vorher. Und erinnerte mich dann an meine Hundehalter-Zeit und ihre Anfänge, daran, wie ich mich immer tiefer in die Materie “Hund” hineingearbeitet hatte. Also übertrug ich dieses Prinzip einfach aufs Pferd und begann, mir alle möglichen Informationen einzuholen. Blogs und Bücher zu lesen, Termine mit unterschiedlichsten Trainern zu vereinbaren, um herauszufinden, wo die größten Unterschiede liegen und wo es vielleicht sogar Gemeinsamkeiten zwischen all den unterschiedlichen Ansichten gibt. Schnell kristallisierten sich erste Dinge heraus, die ich annehmbar fand oder die ich gleich pauschal ablehnte.

Doch bevor der erste Beitrag zu lang und unübersichtlich wird, komme ich jetzt abschließend darauf zurück, weshalb ich zwischen all den vielen Pferdeblogs einen weiteren gestartet habe: Weil es einfach nicht genügend Pferdeblogs geben kann, die dazu aufrufen, diese wunderbaren Wesen respektvoll und gutherzig zu behandeln. Nicht, solange mir die Zustände in so vielen Ställen und Ausbildungsbetrieben noch Tränen in die Augen treiben. Nicht, solange ich Tag für Tag mit ansehen muss, wie selbst anerkannte Fachleute mit Jahrzehnte langer Erfahrung sich nicht an einfachste Grundsätze halten. Ich weiß nicht, ob überhaupt und wie viele Leser den Weg hierher finden werden. Doch wenn vielleicht schon das bloße Auftauchen eines weiteren “pferdefreundlichen Blogs” in einer Suchergebnisliste ein winziges bisschen dabei helfen kann, dass sich eben dieser gewünschte Umgang in der Pferdewelt ausbreitet, dann ist es das doch wert, oder?

Also dann: Bis zum nächsten Beitrag!
Chris

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